Jeder Mensch ist ein Künstler – mein Mantra für 2026

Jeder Mensch ist ein Künstler

 „Jeder Mensch ist ein Künstler“ – dieses bekannte Zitat von Joseph Beuys soll mich inspirieren, mein Jahr 2026 mit mehr kreativem Mut und innerer Freiheit zu leben.

Beuys ging es mit diesem Spruch in den 60er, 70er Jahren nicht um künstlerische Qualität, nur um „die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt“. Er sah Kreativität als universelle schöpferische Kraft, die uns allen zur Gestaltung unserer Welt zur Verfügung steht. Beuys ist differenziert zu sehen; ich lasse mich hier ganz unkompliziert und persönlich von diesem Zitat inspirieren.

Wie bringe ich mich durch einfache, kreative Prozesse öfter in den Glücks-Flow? Welche „unmöglichen Gärten“ möchte ich pflanzen? Wie kann ich durch meine innere Haltung als Künstlerin (auch ohne „Kunst“) mit noch mehr Freude durchs Leben gehen?

Kommt Kunst von Können?

Ich kann eigentlich nichts „richtig“.
Keine künstlerische oder handwerkliche Disziplin.
Kein Können, das man stolz vorzeigen kann.

Nicht, weil ich untalentiert bin.
Sondern weil ich nie geübt habe.
Und weil ich gern Neues anfange, und so meist Anfängerin bin.

Und trotzdem haben mich KünstlerInnen immer stark beeindruckt.
Ihre Haltung.
Das genaue Hinschauen -hören oder -fühlen.
Die Unbedingtheit dranzubleiben, auch wenn es mühselig ist.
Der Wille, wirklich tief einzutauchen.
Bis zum (eigenen) Kern.

In meinem Kopf gehörte der Begriff „Kunst“ nur diesen wirklich Begabten.
Denen, die ihr Können immer weiter perfektionieren
und zusätzlich genial sind.
Die mich später mit Konzerten, Ausstellungen, Performances beeindrucken.

Ob „Kunst“ von „Können“ kommt (ein Spruch von Herder, ca. 1800), wird seit der Moderne dauerhaft diskutiert. Schon lange besteht unser Kunstbegriff nicht mehr hauptsächlich aus der Beurteilung handwerklicher, „technischer“ Fähigkeiten. Schöpferische Originalität spielt jetzt eine Hauptrolle. Ich lasse alle theoretischen und philosophischen Betrachtungen sein und bin jetzt einfach mal Künstlerin.

Ich will den Flow, ohne die große Show.

Flow = Hingabe an den Moment

Flow ist ein Zustand totaler Hingabe.
Fokussierte Lebendigkeit.
Zeit verliert ihre Macht.
Ablenkung auch.

Das, was ich gestalten will,
und das, wozu ich gerade fähig bin,
ist im Gleichgewicht.
Tun und Sein haben plötzlich Leichtigkeit.

Ich fühle mich herausgefordert,
aber nicht überfordert.

Dieser Zustand lässt meine Kreativität fließen.
Glücksgefühle inklusive.

Flow ist der Zustand, in dem tiefe Konzentration und innere Motivation zusammentreffen.
Genau dort wird Kreativität wirklich lebendig. (Csíkszentmihályi, 1992)

Jeder Mensch ist ein Künstler!

Mein Mantra 2026 „Jeder Mensch ist eine Künstlerin“ heißt für mich NICHT:

  • Ich entwickle mich jetzt zur Profisängerin oder male Bilder für meine erste Kunstausstellung.
  • Ich finde endlich mein besonderes Talent oder übe nächtelang Tonleitern oder mache Collagen aus Baumrinde und Buntpapier (obwohl, das klingt eigentlich spannend😉).
  • Ich vergleiche mich mit großen Künstlern und fühle mich armselig.

SONDERN:

  • Ein aufmerksamer Blick: Alltag ist Material – Lichttupfer, Schnipsel von Gesprächen, Formen, Geräusche
  • mehr Spiel statt Perfektion: Fehler, Umwege und „Misslungenes“ sind Rohstoff, nicht Scheitern
  • meiner eigenen Stimme lauschen:  „Fühlt sich das jetzt wahr an für mich?“ statt „Ist das jetzt nützlich, oder gefällt es anderen?“ also: Authentizität vor Anpassung (das Gehirn bleibt aber eingeschaltet).
  • Fragen stellen: Kann ich das auch mal auf andere Weise machen? Wobei fühle ich mich lebendig?

VIELLEICHT:

  • fotografiere ich mehr mit den Augen: Menschen, Pflanzen oder unscheinbare Details
  • fädele ich mir eine bunte Kette aus allen Perlen, die ich besitze, und hänge sie an die Palme
  • experimentiere ich mit alten Farbresten und male überall kleine Zeichen an die Wand (siehe SARK)
  • Bastele ich einen eigenen Song zusammen aus ein paar zufälligen Melodiefetzen
  • Klappe ich ein Buch irgendwo auf, finde ein Wort, das mir gefällt, und singe es in ca. 66 Variationen
  • Biete ich mal einen Singing Circle ganz ohne Lieder, Gitarre und Texte an und lasse mich überraschen
  • lade ich jemanden „Gefährliches“ zum Tee ein
  • verabrede mich regelmäßig mit mir selbst an unbekannten Orten
  • mache ich eine Kritzelmeditation mit Papier und Bleistift und Klangmuster mit meiner Laptop-Tastatur

Kennst du das Buch „Der Weg des Künstlers“? Es ist schon älter, aber immer noch inspirierend: Morgenseiten, Künstlerdates, 12-wöchiges Workbook – alles, um die schlummernde Kreativität im Alltag wiederzubeleben.

Now I walk in beauty

2026 fühle ich mich als Künstlerin, auch ohne Kunst.

Meine Kunst ist der Prozess, der mich in den Flow bringt. Auch dann, wenn ich nicht an etwas „arbeite“, damit es gut wird, wertvoll, vorzeigbar. Ich will nicht mehr denken „Wenn es nicht richtig gut wird, brauche ich gar nicht erst anzufangen.“, sondern meine Freiheit vom Perfektionismus genießen.

Perfektionismus ist ein wirkungsvoller Trick.
Er schützt mich davor, meine Fehler als interessanten Lernprozess zu sehen.
Er lässt mich auf ein perfektes Endergebnis starren, und stellt mir das Ziel in den Weg.
Er macht mich innerlich starr, verhindert Glücksgefühle und den Flow beim Tun.

2026 richte ich mich auf und nehme meine offene, wache Künstlerinnen-Haltung ein.
Ich möchte weniger gefallen und eher bereit sein, zu enttäuschen.
Ich öffne meine Augen für die Schönheit um mich herum.

Im Singing Circle singen wir manchmal ein Lied, inspiriert von diesem alten Segensgebet der Navajo:

Ich werde für immer glücklich sein. Nichts kann mich daran hindern. 
Ich gehe, und Schönheit ist vor mir.
Ich gehe, und Schönheit ist hinter mir.
Ich gehe, und Schönheit ist über mir.
Ich gehe, und Schönheit ist unter mir.
Schönheit umgibt mich, wohin immer ich gehe. Schön sind auch meine Worte.
Ich stelle mir jetzt die Schönheit des Lebens vor.
Ich fühle sie in meinem Inneren, wenn ich das Gebet spreche.
Je mehr Heil-Sein ich ausstrahle, desto stärker wird meine Heilkraft.
Jetzt gehe ich durch das Leben in Schönheit.

Scheiß auf Perfektion – go with the flow

In Singing Circles und Retreats erlebe ich diese Flow-Momente immer wieder. Wir wiederholen die gleiche, einfache Melodie immer wieder. Schwingen uns langsam auf den Rhythmus ein, auf unseren Atem, auf unser gemeinsames Tempo. Wir machen einfach weiter. Irgendwann läuft es wie von selbst, ohne nachzudenken. Der Kopf wird leiser. Das ist ein Glück.

  • Der Prozess zählt mehr als das Ergebnis.
  • Flow und entspannte „Trance“ entstehen auch ohne Anerkennung oder Applaus.

Im gemeinsamen Raum eines Singkreises oder während eines Retreats entsteht Sicherheit durch das gemeinsame Singen, Atmen, Lachen, Sein. Ein entspanntes Nervensystem lässt uns wieder vertrauen, dass wir nicht beurteilen müssen und nicht verurteilt werden. Das schafft Raum für Inspiration und Kreativität. Plötzlich improvisiert jemand zum ersten mal mit seiner Stimme, singt ein paar Töne in einer Pause, tanzt einfach los, nimmt sich einen Shaker und rasselt einfach einen Rhythmus.

2026 will ich diese gemeinsamen Erlebnis-Räume noch bewusster nutzen für:

  • Stimm-Experimente ohne Leistungsdruck
  • Freie Bewegung, die einfach gut tut
  • Erlebnisse mit allen Sinnen in der Natur

Wir gestalten im Moment. Und nehmen das Glück der Erfahrung mit nach Hause.

Mein Motto für 2026

2026 ist mein Jahr, in dem ich auch Künstlerin bin.

Natürlich weiß ich: All die großartigen und hauptberuflichen Künstler*innen müssen ihre Kunst leben. Aus innerer Notwendigkeit, aus existenzieller Dringlichkeit.

Mein Künstlerinnentum 2026 ist leicht und flüchtig, wie eine in vielen Farben schillernde Seifenblase. Wenn ich Lust auf einen Moment des Staunens habe, reicht vielleicht ein zarter – oder etwas stärker Hauch – und sie ist plötzlich da.
Die Freude. Das ist für den Moment meine Kunst und gut genug. Aho!

Deutsche Übersetzung von „How to be an artist“ von SARKnicht von Joseph Beuys:

Lass dich fallen.
Lerne, Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere dich, „verantwortlich zu sein“ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.
Träume wilde, fantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.
Öffne dich. Tauche ein. Sei frei. Lobe dich selbst.
Lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

Quellen:

  • Csikszentmihalyi, Mihaly: Flow. Das Geheimnis des Glücks. Klett-Cotta, Stuttgart 1992.
  • Cameron, Julia: Der Weg des Künstlers, Droemer Knaur, 1992.
  • SARK (Susan Ariel Rainbow Kennedy): How to be an artist.
Elena Deppe

2 Gedanken zu „Jeder Mensch ist ein Künstler – mein Mantra für 2026“

  1. Liebe Elena,

    dein Motto und die Haltung gefallen mir sehr! Den Prozess über das Ergebnis stellen und den Fokus auf den Flow legen. Jaaa! Will ich auch 😊
    Und ich mag dieses Bild, das du beim Perfektionismus gefunden hast: „Er lässt mich auf ein perfektes Endergebnis starren, und stellt mir das Ziel in den Weg“. Ein Ziel ist also nicht immer nur Ansporn… es kann auch im Weg rumstehen!
    Mir fällt es immer noch schwer, zu sagen „Ich bin Künstlerin.“ Aber eigentlich fühle ich mich so und ich übe jetzt, das auch zu sagen 😀

    Ganz liebe Grüße
    Paula

    1. Liebe Paula,
      ich danke Dir für Deinen tollen Künstlerin-Kommentar von einer stimmverrückten Kollegin! Ja, wir üben weiter uns und unsere TeilnehmerInnen immer wieder selbst zu ermutigen, juhuuu. Deine Arbeit spricht mich sehr an, vielleicht auch, weil mein Herz besonders für die eher Introvertierten und Scheuen schlägt, die sich immer mutiger mit ihrer Stimme zeigen.
      Fühl Dich herzlich gegrüßt, und gib Bescheid, wann ich wo Deinen Podcast abonnieren kann,
      Elena

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