Losar Tashi Delek zum Neujahrsfest in Tibet und Buthan am 3. März 2022

Losar Tashi Delek: tibetisches Neujahr und Mitgefühl

Losar Tashi Delek“ ist der Gruß zum traditionellen Neujahrsfest in Tibet und Bhutan. Es beginnt in diesem Jahr am 3. März. „Losar“ heißt übrigens neues Jahr und „Tashi Delek“ bedeutet: „Viel Glück! Möge es dir wohlergehen.“ Die Kultivierung von Mitgefühl steht im Zentrum vieler buddhistischer Meditationen. Diesen Neujahrsgruß verbinde ich mit dem innigen Wunsch nach Frieden und Mitgefühl für alle Lebewesen, die gerade Leid und Schmerz durch Krieg erfahren.

Neujahr im Frühling

Ich war überrascht, dass es Anfang März noch ein Neujahrsfest gibt. Du siehst, ich bin keine Kennerin des tibetischen Buddhismus, aber fasziniert aus der Ferne von diesem bunten Fest. Es beginnt in diesem Jahr am 3. März mit Frühlingsanfang und dauert insgesamt zwei Wochen. Die ersten drei Tage sind besonders geprägt von uralten Zeremonien, Musik und Tanz und auch ausgelassenem Feiern. Die Häuser bekommen einen frischen Anstrich, jeder zieht frische, neue Kleidung an. Streit wird beendet, offene Rechnungen bezahlt. Es wird „reiner Tisch“ gemacht, ein neues Leben kann beginnen. Diesen rituelle Neuanfang finde ich schön und hoffnungsvoll. Auch bei uns gibt es ja den Frühjahrs-Putz und „gute Vorsätze“ für das neue Jahr, wenn vielleicht auch manchmal mit etwas weniger Freude …

Losar Tibet Mitgefuehl

Dass Neujahr in Tibet und Bhutan erst jetzt gefeiert wird, liegt auch daran, dass der tibetische Kalender ein Lunisolarkalender (Mond-Sonne-Kalender) ist. Manche Jahre dauern daher 13 statt 12 Monate. Der individuelle Geburtstag hat in diesem Kulturkreis übrigens keine große Bedeutung. Jeder wird an Losar einfach ein Jahr älter. (Das würde unsere Geburtstagskalender-Industrie hart treffen …).

Der Dalai Lama hat auch in diesem Jahr in seiner Ansprache zum Neujahrsfest Losar seine Landsleute wieder zu Mitgefühl aufgerufen. Mitgefühl gehört ja eigentlich zur Grundausstattung des Menschen. Um es aber wirklich leben zu können, sollte es aktiv geübt werden. Dabei helfen zum Beispiel regelmäßige Meditation und bestimmte Atemtechniken, bei denen du dich auf den Herzbereich konzentrierst.

Bunte tibetische Gebetsfahnen mit buddhistischen Mantren an Losar
Tibetische Gebetsfahnen für Frieden, Glück und Weisheit. Die Farben stehen für die Elemente. Blau für den Himmel/Raum, Weiß für die Luft, Rot für das Feuer, Grün für das Wasser und Gelb für die Erde. Die aufgedruckten Mantras werden durch den Wind zu allen Lebewesen dieser Welt getragen.

Mitgefühl und die Metta-Meditation

Eine Meditation, die sich sehr dafür eignet, das Mitgefühl mit sich selbst und anderen zu stärken, ist die buddhistische Metta-Meditation. Sie ist eine „Liebende-Güte-Meditation“, bei der du dir und anderen Gutes mit vorher festgelegten, sich wiederholenden Sätzen wünschst. Du musst dafür nicht Buddhist*in sein. Hier ein kurzer Überblick über die 5 Schritte dieser Meditation. Eine genauere Anleitung der Metta-Meditation findest du auch hier. Beginne damit, dass du die Hände auf dein Herz legst und ein paar Mal ruhig und tief atmest.

  1. Öffne dein Herz dir selbst gegenüber und richte die guten Wünsche mit liebevoller Aufmerksamkeit an dich. Auch wenn dadurch Gefühle wie Trauer oder Ärger ausgelöst werden sollten, bleibe mit dem Gefühl bei deinem Herzraum und beobachte aufkommende Emotionen und Gedanken einfach.
  • Möge ich glücklich sein.
  • Möge ich sicher sein.
  • Möge ich gesund sein.
  • Möge ich mit Leichtigkeit leben.

2. Als Nächstes folgen gute Wünsche und Mitgefühl für eine von dir geliebte Person.

  • Mögest du glücklich sein.
  • Mögest du sicher sein.
  • Mögest du gesund sein.
  • Mögest du mit Leichtigkeit leben.

3. Jetzt schickst du diese Herzenswünsche an eine für dich „neutrale“ Person, die keine emotionale Bedeutung für dich hat. Mögest du glücklich sein …

4. Nun öffne dein Herz noch weiter für deine Wünsche an eine Person, die du überhaupt nicht magst. (Eine echte Herausforderung.) Mögest du glücklich sein…

5. Der letzte Schritt sind deine guten Wünsche für alle Lebewesen auf dieser Erde. Dabei beziehst du dich selbst mit ein und kannst dich so mit allen verbunden fühlen, anstatt getrennt und allein. Mögen alle Lebewesen glücklich sein… 

Losar Mitgefuehl Meditation

Möge die Erde heilsam sein überall

Dieses allumfassende Mitgefühl findest du auch im Gebet des indischen Gelehrten Shantideva (8. Jh.). Shantidevas Schriften gehören zu den „Klassikern“ des tibetischen Buddhismus. Nicht nur angesichts des Kriegs in der Ukraine wünsche ich mir, dass wir Verantwortung dafür übernehmen, dass alle Wesen auf dieser Erde frei von Leid leben können. Mit den innigsten Wünschen für mehr Frieden in diesem Jahr: Losar Tashi Delek!

Möge die Erde heilsam sein überall
 
Möge die Erde heilsam sein, überall,
Und die Welt, gesegnet mit Wohlstand.
Mögen die Armen und Notleidenden Reichtum finden
Und die unterdrückten Tiere befreit werden.
 
Möge jedes Wesen, das an Krankheit leidet,
Sofort Linderung erfahren.
Möge alle Krankheit, von denen Wesen heimgesucht werden,
Sofort und dauerhaft geheilt sein.
 
Mögen die mit Furcht keine Angst mehr haben.
Mögen Gefangene ohne Ketten sein und frei
Und mögen die Schwachen jetzt stark werden.
Mögen die Lebewesen einander in Freundlichkeit helfen.
 
Mögen die Reisenden auf dem Wege
Glück finden, wo immer sie auch gehen.
Und mögen sie ohne Härte
Die Ziele ihres Herzens erreichen.
 
Vom Gesang der Vögel und dem Anblick der Bäume,
Vom Strahlen des Lichtes und dem Himmel selbst:
Mögen alle Lebewesen ohne Ausnahme
Den immerwährenden Klang des Dharma empfangen.
 
Solange der Raum besteht,
Solange es fühlende Wesen gibt,
Möge auch ich nicht aufhören,
Das Leiden der Welt zu zerstreuen.
Der indische Gelehrte Shantivdeva war ein Königssohn aus Südindien, der in der ersten Hälfte des 8. Jahrhundert lebte und im großen Kloster von Nalanda studierte. Shantidevas Texte zählen zu den Klassikern im tibetischen Buddhismus.

2 Kommentare zu „Losar Tashi Delek: tibetisches Neujahr und Mitgefühl“

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